Afterwork Aesthetics: Intellektuelle Gymnastik für den Feierabend

Afterwork Aesthetics: Intellektuelle Gymnastik für den Feierabend

© Anne Lommel
13 oct. 2021
Auteur: Katja Taylor

Am 18. Oktober beginnt der neue Konferenzzyklus Afterwork Aesthetics von Dr. Nora Schleich im CAPE – Centre des Arts Pluriels Ettelbruck. Wir haben wir uns mit der promovierten Philosophin getroffen und über philosophische Momente im Alltag, ihre langjährige Faszination für Kant und über Ekliges und Hässliches in der Kunst unterhalten.

Nächste Woche startet die Konferenzreihe Afterwork Aesthetics, die dann bis Mai 2022 läuft. Wie ist sie eigentlich entstanden und wer kann mitmachen?

Ich bin Promovierte in Philosophie und forsche seit Jahren zum Schönen, zum Erhabenen, eigentlich zur Ästhetik insgesamt. Das hat mich schon immer gefesselt; bereits im ersten Bachelor-Kurs zu Ästhetik war ich total aus dem Häuschen! Diese Theorien haben mir mehr Weitsicht erlaubt. Das wollte ich teilen und für ein breites Publikum verständlich machen.

In der Konferenzreihe möchte ich Menschen ansprechen, die nach der Arbeit noch Lust auf etwas Intellektuelles haben. In den Konferenzen werden komplexere Themen angeschnitten, sie fordern also schon etwas Konzentration, sind aber gleichzeitig möglichst zugänglich gestaltet. Es ist eben für Leute gedacht, die Lust auf einen intellektuellen Spagat haben.

Um was geht es konkret in den Konferenzen und wie sind sie aufgebaut?

Die Konferenzen bauen chronologisch aufeinander auf. Es geht mit der Antike los, also mit den Theorien von Pythagoras, Platon und Aristoteles, die man dann in der Kunst des Mittelalters und der Neuzeit wiederfindet. Diese Einflüsse aus der Antike tauchen sogar noch in den Arbeiten von modernen Künstler*innen auf, wie zum Beispiel bei Wassily Kandinsky oder Gerhard Richter.

Jede Konferenz beginnt mit einer kleinen Einführung, wo besprochen wird, was überhaupt ästhetisch heißt. Bei Ästhetik denkt man oft nur an das Schöne oder Reizvolle, aber das Hässliche oder Ekelige, oder etwa Luxuserfahrungen gehören auch dazu. Das Ästhetische ist ja nicht nur das Schöne, sondern das, was unsere Sinne und unsere subjektive Vorstellung anspricht.

Es geht darum, den Gedankengang erstmal darzulegen und das Publikum einzustimmen. Philosophisches Denken verlangt nach einer Abstraktion und einem Innehalten. Man muss sich erstmal zurücklehnen, um dann loszudenken. Das kann man mit Mathematik vergleichen: Am Anfang versteht man gar nichts, aber wenn man einmal kapiert hat, wie es funktioniert, dann macht es wirklich Spaß.

© CAPE

Die Konferenzen setzen sich mit einer großen Bandbreite an Themen auseinander, von Kultur und ästhetische Bildung bis hin zur künstlichen Intelligenz. Wie wurden die Themen ausgewählt?

Ich versuche immer philosophische Theorien mit der Lebenswelt von heute zu verbinden und zentrale Themen, die wir im Alltag begegnen, aufzugreifen. Zum Beispiel wenn wir eine schöne Landschaft sehen sagen wir oft, dass sie wie gemalt aussähe. Das Gemalte scheint in dem Moment für uns das Perfekte zu sein, dem sich die eigentliche Landschaft anpassen muss. Was würde Platon dazu sagen?

Hat es Dir besonders Spaß gemacht, einer der Konferenzen vorzubereiten, beziehungsweise hast Du ein Lieblingsthema?

Natürlich ist Kant mein absoluter Favorit; über Kant zu sprechen ist wie Atmen für mich. Auf die Konferenz zum Undarstellbaren freue ich mich besonders. Da geht es zum Beispiel um das intensive Farberlebnis, das ein abstraktes Werk von Mark Rothko auslöst. Da wird ja nicht die Farbe an sich dargestellt, sondern etwas anderes, das man per se nicht darstellen kann: Dieses Gefühl, dieses Erschaudern, und das Wissen, dass uns da etwas entwicht, wovon wir aber dennoch magisch angezogen sind… Das ist für mich auch eng mit Kants Theorie des Erhabenen verbunden.

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Jede Konferenz endet mit einer Diskussion. Auf welche Fragen aus dem Publikum freust Du dich besonders?

Ich hoffe, dass sich die Leute fragen: Wie sehe ich das? Es geht mir hauptsächlich darum, dass sie merken, dass ihre Meinung zählt und auch sie Philosophie können. Sie sind fähig, komplexe Sachverhalte zu entziffern, nachzuvollziehen und selbst zu kreieren. Menschen sollen den Mut haben, sich ihrer eigenen Geisteskraft zu bedienen, sich reinzusetzen, sich selbst herauszufordern und über Grenzen hinaus zu gehen. Das möchte ich wachkitzeln.

Wie würde eine Weiterführung von Afterwork Aesthetics aussehen?

Die Grundsteine sind ja nun gelegt. Man könnte den Konferenzzyklus aber durchaus weiter ausbauen, eventuell Künstler*innen miteinbinden und Diskussionsrunden anbieten. Ein anderer Aspekt, der mich reizt, ist wie sich das Kunstverständnis mit der Zeit verändert. In der Kunst zeigt sich was die Gesellschaft gerade beschäftigt. Heute gibt es zum Beispiel viel Konzept- und Digitalkunst und oft wird das abwertend angesehen. Das ist Kunst mit ganz anderen Inhalten, Bedürfnissen und Erwartungen wie in der Renaissance. Da könnte noch mehr Aufklärungsarbeit betrieben werden und warum nicht im philosophischen Rahmen.

Der Konferenzzyklus Afterwork Aesthetics findet in Luxemburgischer Sprache statt. Die Konferenzen können auch im Rahmen von der Erwachsenenbildung absolviert werden. Alle Informationen dazu: https://cape.lu/scheinheet-wourecht-dat-absolut/13590