Back to top
Author: stephan.schuster
Auteur
Botschaft von Luxemburg in Berlin

Installationsansicht majerus wool warhol...skulls and rorschachs, Michel Majerus Estate, Berlin, 2019 ©Michel Majerus Estate, 2019, courtesy neugerriemschneider, Berlin and Matthew Marks Gallery ©Christopher Wool ©2019 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./Licensed by Artists Rights Society(ARS), New York Foto:Jens Ziehe, Berlin

Die Michel Majerus Estate freut sich, Sie über den zweiten Teil der von Peter Pakesch kuratierten Ausstellung majerus wool warhol... zu informieren. skulls and rorschachs stellt mit einer neuen Auswahl von Werken das Schaffen von Michel Majerus (1967–2002), Christopher Wool (* 1955) und Andy Warhol (1928–1987) gegenüber. In diesem zweiten Kapitel liegt der Fokus auf dem von Warhol verwendeten Motiv des Totenschädels und dem von ihm eingesetzten Verfahren des Rorschach-Tests; Bildthemen und Strategien, die von Wool und Majerus aufgegriffen und auf ihre jeweils visionäre Weise weiter entwickelt wurden.

In den 1960er- und 1970er-Jahren galt Andy Warhol – misstrauisch beäugt durch die kritische Kunstöffentlichkeit – als großer Gesellschaftsporträtist und Kommentator des Zeitgeistes. Zunächst porträtierte er die großen Medienstars, wie etwa Jackie Kennedy, Elvis Presley oder Marilyn Monroe, in den Folgejahren wurden Personen eines breiteren gesellschaftlichen Spektrums zum Gegenstand seines Interesses: Jedem seine fünfzehn Minuten Ruhm, ob für Mao Tse Tung oder Society-Größen aus New York, Turin oder Köln. Die damalige Rezeption von Andy Warhols Werk geschah weitestgehend mit Blick auf diese als kommerziell empfundene Praxis. Allerdings setzte Warhol im Bewusstsein um die großen Themen der Kunst seinen mondänen Porträts zwei Gruppen (kunst-)historisch aufgeladener Stillleben entgegen: Hammer und Sichel sowie den Totenschädel. Das ironisch aufgelöste kommunistische Symbol auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges lässt einen ähnlichen inneren Widerstand aufscheinen wie die Gegenüberstellung des Memento Mori zum Leben der Schönen und Reichen. In diesen für Warhol charakteristischen Widersprüchen lassen sich thematische Konstanten der Auseinandersetzung wiederfinden, die sein Schaffen mit den großen Themen der abendländischen Kunst verbinden. Mehrmals nimmt sich Majerus dieses Motivs an, wie er immer wieder bedeutende Motive seiner Idole auf den Prüfstand stellt, was diese in neuen Bilderwelten noch zu leisten im Stande sind. Das Stillleben wird konterkariert, offenere und assoziative Formen dem einfachen Motiv unterlegt. Die prägnante Botschaft von Warhols Skulls erfährt eine Neu- und Umdeutung, wird ins Kaleidoskop der sich immer wieder generierenden elektronischen Bilder gestellt; ein Reality Check mit den Mitteln herkömmlicher Malerei.

Eine Dekade später wendete sich Warhol wiederholt der abstrakten Malerei zu. Wie Rosalind Krauss in ihrem Aufsatz „Andy Warhol. Rorschach Paintings“ (1996) erläutert, markiert die Rorschach-Serie einen vielschichtigen Kommentar zur Geschichte der abstrakten amerikanischen Malerei, in deren Tradition Warhol natürlich selbst steht. An seinen Rorschach-Bildern – deren Titel sich von dem psychodiagnostischen Testverfahren Hermann Rorschachs ableitet, bei dem mittels dem Betrachten von Tintenklecks-Faltbildern Schlüsse auf die Persönlichkeit gezogen werden – betonte Warhol stets den medizinischen Charakter. Das Rorschach-Verfahren ordnete er in den Bereich der Pathologie ein, in diesem Sinne verstand er es als eine Metapher der conditio humana. So betrachtet, holte Warhol diese Methode der Bildfindung aus der formalen und abstrakten Ecke heraus und unterlegte sie, quasi subversiv, mit Bedeutung, um sie in seinen eigenen mythologischen Kosmos einzuführen. Bei Wool werden all diese Überlegungen radikal in die Malerei zurückverwiesen und bekommen damit ganz andere Bedeutungen existenzieller Dimensionen. Aus dem Spiel wird Ernst in einer Konfrontation zweier Subjekte, dem Maler und dem Betrachter.

So setzen, wie in der Ausstellung gezeigt wird, Maler der nächsten Generationen – wie Christopher Wool und Michel Majerus – die Warholschen Strategien fort und führen sie in einen neuen Subjektivismus. Die Strategien werden, über das Aufgreifen der offensichtlichen Thematiken der Bilder hinausgehend, als Prozess zu einer eigenständigen Thematik. Die Möglichkeiten der Genese von Bildern in der heutigen Zeit, ihre Multiplikation und Vieldeutigkeit, der immerwährende mediale Fluss – all das wird zum Thema dieser Malerei jenseits der Medien. Anhand von Majerus und Wool lässt sich das besonders exemplarisch sehen und lesen. So wie Warhol sein Vokabular aus der klassischen Moderne und der Geschichte der amerikanischen abstrakten Malerei holt und dieses umdeutet, wird die weitere Auseinandersetzung im Kontext neuer medialer Welten für die Praktiken einer Folgegeneration wichtig. Die Entwicklung von Vervielfältigungstechniken wie Fotografie, Film und Siebdruck bis hin zur Fotokopiermaschine und die Verwendung digitaler Medien lässt sich als Prozess einer zunehmenden Öffnung und Erschließung elektronischer Welten ablesen. Diese stringenten Linien in der amerikanischen und europäischen Malerei der letzten Dekaden sind mannigfach und können in der Ausstellung anhand der ausgewählten Werke von Michel Majerus, Christopher Wool und Andy Warhol erfahren werden.

Das jeweils aktuelle Programm entnehmen Sie bitte der Webseite www.michelmajerus.com
Für weitere Informationen sowie Abbildungsmaterial kontaktieren Sie bitte den 
Michel Majerus Estate: +49 30 47377300, info@michelmajerus.com .

Eröffnung: Donnerstag, 12. September, 18–21 Uhr
13. September 2019 – 7. März 2020
Samstags 11–18 Uhr, und nach Vereinbarung geöffnet

Öffnungszeiten Berlin Art Week
Donnerstag, 12. September – Freitag, 13. September, 10–21 Uhr
Samstag, 14. September – Sonntag, 15. September, 10–18 Uhr
Dauer: 13. September 2019 - 7. März 2020, samstags 11.00-18.00 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet

Ort: Michel Majerus Estate, Knaackstrasse 12, 10405 Berlin

Weitere Informationen unter:  michelmajerus.com
 
Text © michelmajerus.com