19 mar. 2026Festival des Migrations, des Cultures et de la Citoyenneté
Wer an diesem Wochenende die Hallen der Luxexpo The Box auf dem Kirchberg betritt, merkt schnell: Hier geht es nicht zu wie auf einer gewöhnlichen Messe. Stimmen in unterschiedlichen Sprachen vermischen sich mit Musik, an den Ständen wird gekocht, diskutiert und gelacht. Der Duft internationaler Küche zieht durch die Gänge, während nur wenige Meter weiter eine Tanzgruppe probt oder eine Diskussion über gesellschaftliche Fragen beginnt.
Am 21. und 22. März findet hier der Festival des Migrations, des Cultures et de la Citoyenneté statt, eines der größten gesellschaftlichen und kulturellen Ereignisse Luxemburgs. Seit über vier Jahrzehnten bringt das Festival Vereine, Künstler:innen, Autor:innen und Besucher:innen aus unterschiedlichsten Ländern zusammen und macht die kulturelle Vielfalt des Großherzogtums sichtbar.
Organisiert wird das Festival vom CLAE (Comité de liaison des associations d’étrangers). Was in den frühen 1980er-Jahren als Plattform für Migrant:innenvereine begann, hat sich inzwischen zu einem festen Termin im Luxemburger Kulturkalender entwickelt. Ein Wochenende, an dem Kultur, Politik und Begegnung aufeinandertreffen.
Luxemburg gehört zu den internationalsten Ländern Europas. Menschen aus über 170 Nationen leben hier. Der Festival des Migrations macht diese Realität sichtbar. 400 Stände von unterschiedlichen Vereinen, Organisationen und Initiativen füllen die Hallen der Luxexpo. Sie präsentieren Projekte, kulturelle Traditionen oder gesellschaftliche Initiativen. Besucher:innen können sich informieren, ins Gespräch kommen oder einfach durch die Hallen schlendern und Neues entdecken.
Gerade diese Mischung macht den besonderen Charakter des Festivals aus. Es ist gleichzeitig Kulturveranstaltung, ein Ort für gutes Essen, Treffpunkt der Zivilgesellschaft und Plattform für gesellschaftliche Debatten.
Ein fester Bestandteil der Fête des Migrations ist die internationale Gastronomie. Vereine und Community-Organisationen aus zahlreichen Ländern bereiten Gerichte aus ihren Herkunftsregionen zu, oft nach Rezepten, die seit Generationen weitergegeben werden.
Besucher:innen können portugiesische Spezialitäten probieren, afrikanische oder lateinamerikanische Küche entdecken oder Gerichte aus dem Nahen Osten und Asien kosten. Sie können frischen Ingwersaft oder Zuckerrohrsaft genießen und Desserts aus aller Welt verkosten.
Neben den zahlreichen Ständen bietet das Festival ein dichtes Programm an Veranstaltungen. Tanzvorführungen, Konzerte, Filmvorführungen, Theater, Lesungen und Podiumsdiskussionen wechseln sich über das gesamte Wochenende hinweg ab. Besucher:innen können eine literarische Begegnung besuchen, eine politische Debatte verfolgen oder spontan bei einem Tanzkurs mitmachen. Auch Workshops und partizipative Formate laden dazu ein, selbst aktiv zu werden.
Parallel zum Festival findet auch der Salon du Livre et des Cultures statt. Autor:innen, Verlage und Literaturinitiativen aus verschiedenen Ländern präsentieren hier ihre Bücher und Projekte. Lesungen, Gespräche und Signierstunden ermöglichen Begegnungen mit internationalen Stimmen der Literatur.
Auch die bildende Kunst ist Teil des Programms. Mit ArtsManif entsteht eine Plattform für Künstler:innen, die ihre Arbeiten präsentieren. Von Malerei über Fotografie bis hin zu Installationen, viele Werke beschäftigen sich mit Fragen von Herkunft, Erinnerung oder Zugehörigkeit.
Ein relativ neuer Bestandteil des Festivals ist der sogenannte Village, ein offener Raum für gesellschaftliches Engagement und partizipative Projekte. Hier präsentieren Organisationen ihre Initiativen zu Themen wie Menschenrechte, Bildung, Integration oder nachhaltige Entwicklung. Workshops, Installationen und Präsentationen laden dazu ein, aktiv teilzunehmen und neue Ideen kennenzulernen. Organisationen wie Amnesty International, Médecins Sans Frontières oder das Zentrum fir politesch Bildung gehören zu den Initiativen, die regelmäßig im Village vertreten sind.
Für Familien und junge Besucher:innen gibt es außerdem spezielle Angebote, etwa im Young Makers Space, wo Kinder und Jugendliche experimentieren, basteln und kreativ arbeiten können.
Coup de cœur – eine kleine Auswahl
Das Programm umfasst Dutzende Veranstaltungen. Einige Beispiele zeigen die Vielfalt des Wochenendes:
Samstag
12:35 – Danses roumaines Carpatii
14:30 – Filmvorführung: Diversité culturelle et civilisation au Soudan
15:00 – Theater-Slam von jungen Geflüchteten
15:30 – Debatte: L’accès au logement : une crise permanente et sans solution ?
18:30 – Offener Tango-Kurs für alle
21:20 – Konzert von Kokowumba & Friends mit kongolesischer Rumba-Fusion
Sonntag
13:00 – Groupe folklorique Vallée des Sept Châteaux
14:00 – Konferenz über den Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung im Kontext von Migration
16:00 – Stand-up-Comedy: Yubai Zhang – Ma’Chine à rire
17:00 – Partizipativer Workshop: Tout ce que vous avez toujours voulu savoir sur les juifs (et n’avez jamais osé demander)
Neben Kultur und Unterhaltung bleibt die politische Dimension des Festivals zentral. Diskussionsrunden und Konferenzen greifen aktuelle Themen auf: Migration, soziale Ungleichheit, internationale Konflikte oder Menschenrechte. Das Festival versteht sich damit nicht nur als Feier der kulturellen Vielfalt, sondern auch als Raum für kritische Reflexion.
Wie Coumba Fall, Präsidentin des CLAE, betont, findet das Festival in einer Zeit statt, in der viele gesellschaftliche Entwicklungen Anlass zur Sorge geben. Die zunehmende Ungleichheit, politische Spannungen und die Situation von Migrant:innen weltweit machen deutlich, wie wichtig eine starke Zivilgesellschaft ist.
Das Festival sei daher auch ein Ort des Engagements und der Solidarität, in dem Menschen zusammenkommen, um sich auszutauschen und gemeinsam über die Zukunft nachzudenken.
In einer Zeit, in der Migration oft kontrovers diskutiert wird, setzt die Fête des Migrations in Luxemburg, als Land der Vielfalt, ein anderes Zeichen. Sie zeigt, wie kulturelle Vielfalt im Alltag gelebt werden kann, nicht als abstraktes Konzept, sondern als Erfahrung von Begegnung, Austausch und gemeinsamer Kreativität.
Wer Luxemburg verstehen möchte, sollte dieses Wochenende nicht verpassen.
Samstag, 21 März 2026: von 11h00 bis 0h30
Sonntag, 22 März 2026 : von 11h00 bis 20h00
LuxExpo The Box, thebox.lu
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